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Gedenken an Opfer = Umweltverschmutzung?

Wir möchten uns hier, als Teil der Break-The-Silence-Kampagne, zu einem Vorfall äußern, der uns betroffen und wütend macht.

Am 21.1.2012 fand in der Bonner Innenstadt eine Demonstration gegen Alltagsrassismus statt. Aufgerufen hatten, neben der Bezirksschüler_innen-vertretung, auch die Anarchistisch-Syndikalistische -Jugend Bonn und die Antifa Bonn/Rhein-Sieg.

Dran!

Unsererseits war eine kleine, symbolische Aktion im Rahmen der Demonstration vorbereitet. Auf je einem laminierten DIN-A4-Blatt, sollte den fast 180 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 gedacht werden.

Mittels Kabelbindern wurden diese „Erinnerungstafeln“ an Straßenlaternen befestigt, um auch nach der Demonstration als Mahnmal zur Gefährlichkeit rechter Ideologie in der Stadt präsent zu sein.

Doch es gab an diesem Tag leider auch Menschen, die diese Form der Erinnerungskultur nicht dulden wollten. Wir reden hier nicht nur von den immer wieder am Rande der Demonstration vereinzelt auftauchenden Neonazis, die von der Polizei teilweise ungestört versuchten die einzelnen Demonstrant_innen zu fotografieren. Was uns besonders ärgerte, war vielmehr das Verhalten der Polizei.
Denn kaum hatten wir am Kaiserplatz circa. 20 der, oben genannten, Zettel angebracht und die Demonstration sich in Bewegung gesetzt, erreichte uns die Meldung, die Polizei sehe unser Tun als Umweltverschmutzung an und wir sollten dies unterlassen.

Daraufhin wurde der Polizei per Mikrofon mitgeteilt, worum es sich bei den von uns angebrachten Zetteln handele und zu welchem Zweck sie dort angebracht wurden.

Konnte mensch bis jetzt noch denken, die Polizei handele in Unkenntnis des Sachverhaltes, bestand die Reaktion ebenjener jedoch nicht in einem Abweichen der Forderung. Vielmehr wurde das Entfernen der Zettel nun zur Auflage gegenüber der Versammlungsleiterin gemacht und ihr angedroht, ihr die Reinigungsgebühren „in jedem Falle“ in Rechnung zu stellen.

Ab!

Leider mussten wir uns daraufhin, aus Sorgen um die weitere Fortführung der Demonstration und aus Rücksichtnahme auf die Versammlungsleiterin, entschließen, das weitere Aufhängen der Erinnerungstafeln zu unterlassen, sowie nach der Demonstration die bereits aufgehängten Zettel wieder abzuhängen.

Wir sind wütend und fassungslos über dieses Verhalten der Bonner Polizeiführung. Es gehört schon einiges an verlorenem Anstand dazu, die Erinnerung an Todesopfer von Gewalttoten als Umweltverschmutzung zu betiteln.
Gerade die Polizei, auch die Bonner, hat sich in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was den Kampf gegen Rechtsradikalismus und Neonazismus betrifft. Statt dass sich die stattlichen Organe jedoch angesichts ihres totalen Versagens in den letzten Jahren einmal etwas zurücknehmen, wird jedes Register gezogen, um sogar die harmlosesten Aktionen von links zu unterbinden..

Wir jedenfalls werden uns auf das hier verlangte „deutsche Reinheitsgebot“ nicht halten und es uns nicht nehmen lassen, unsere Form der Erinnerungskultur offensiv im Stadtbild zu vertreten. Weiterhin würden wir uns über eine öffentliche Unterstützung in diesem Ansinnen freuen und verlangen eine Entschuldigung von Seiten der polizeilichen Zuständigen.

Einige Aktive der Break-The-Silence-Kampagne

ASJ-Kinoabend

Wir laden euch ein weiteres Mal herzlich ein, mit uns einen gemütlichen Kinoabend zu begehen.

Es ist wieder „Wunschfilmzeit“, d.h. wir entscheiden am Abend gemeinsam, was wir schauen wollen.

Für Getränke ist gesorgt, Popcorn gibt es vielleicht.


Freitag, 20.1., 20Uhr
Netzladen, Wolfstrasse 10

21. Januar: Das Problem heißt Rassismus!

Das Problem heißt Rassismus!

Diesen Samstag, 21. Januar 2012, findet in Bonn ein demonstrativer Stadtspaziergang unter dem Motto „Das Problem heißt Rassismus“ statt.
Initiiert von der BSV Bonn und unterstützt von verschiedenen antifaschistischen Bonner Gruppen will der Spaziergang ein Zeichen gegen Faschismus und Rassismus in all seinen Ausprägungen setzen.
Erscheint zahlreich und lautstark!

Samstag, 21. Januar 2012
14.00h
Kaiserplatz

Zum Aufruf

Rezension: Kein Befehlen, Kein Gehorchen!

Die Geschichte der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands seit 1918.

Kein Befehlen, Kein Gehorchen! Die Geschichte der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands seit 1918.

Der Titel des neusten Werks von Historiker Helge Döhring spricht für sich: „Kein Befehlen, Kein Gehorchen!“ war und ist das Motto der libertären Jugend.

In seiner Einleitung gibt der Autor dem Leser schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf dieses Allroundwerk.
Der erste und größere Teil beschreibt den Werdegang der SAJD von ihrer Gründung über die Rivalitäten mit den Jugendverbänden der politischen Gegner bis hin zur Zerschlagung durch den Faschismus. Hierbei versteht es der Autor einerseits einen klaren und sachlichen Überblick über die Strukturen und die verschiedenen Gruppen zu geben; andererseits wird dies immer wieder aufgelockert durch Geschichten und Anekdoten von einzelnen Aktivist*inn*en und Aktionen.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit der Entwicklung der Jugendbewegung nach 1945. Nach einem kurzen und ernüchterndem Intermezzo von Organisationsversuchen 1949 (Föderation Freiheitlicher Jung-Sozialisten) und 1979 (Libertäre, Anarchistische Jugend) wird das Augenmerk erst auf die ASJ Stuttgart und später dann auf die noch heute aktiven ASJ-Gruppen gelegt. Gerade die Kapitel über die bestehenden ASJ-Strukturen geben einen sehr guten Überblick über die gesamt Struktur einerseits und die einzelnen, unabhängig arbeitenden Gruppen anderseits. (mehr…)